Liebe/r Besucher/in!  

Wegen meinem Umzug ins Ausland habe ich meine Praxen in Berlin und Hamburg geschlossen.  Weitere Kollegen für Rolfing finden Sie unter www.rolfing.org.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf dem Weg des Rolfings.


Leiden Sie unter Fehlhaltung oder Rückenverspannungen?

Vermissen Sie Leichtigkeit und Beweglichkeit im Körper?

Dann lesen Sie weiter über das Rolfing...

ROLFING ist die Suche nach adäquater Körperform in Beziehung zur Schwerkraft. Es erinnert an eine langsam ausgeführte, tiefe Massage, aber genauer betrachtet ist Rolfing ein Verfahren, das eine tiefe manuelle Bindegewebsbehandlung mit Bewegung und Selbstwahrnehmung verbindet. Daraus entsteht der Prozess der strukturellen Integration.

Eine integrierte Struktur, die im Rolfing angestrebt wird, vermeidet die Fehlbelastung von Gelenken und eine Überlastung von Gewebe. Häufig wird dadruch chronischen Beschwerden die Grundlage entzogen - eine erfreuliche Nebenwirkung, aber nicht das eigentliche Ziel der Behandlung. Denn die strukturelle Integration durch das Rolfing ist immer ein ganzheitlicher und individueller Prozess für die Gesamtperson und nicht Therapie gesundheitlicher Probleme.

Menschen, die "gerolft" werden, stehen aufrechter und mit weniger Spannung, atmen tiefer und bewegen sich geschmeidiger. Ihre größere Bewegungsfreitheit erlaubt auch ein größeres Spektrum des Selbstausdruckes.

Die 10-Sitzungen-Serie
Rolfing in "Stern"-Magazin
New York Times article: With both hands, Leon Fleisher at the Piano


Praktische Information:

Eine Sitzung: 75 Minuten
Preis: €90

Die 10-Sitzungen-Serie


Abb.: Vor und nach der 10-Sitzungen-Serie.


Die Grundsequenz einer Rolfingbehandlung besteht aus einer zusammenhängenden Folge von in der Regel zehn Sitzungen, die systematisch aufeinander bezogen und auf Ihre individuelle Struktur abgestimmt sind.

Die erste Rolfing-Sitzung: Die Atmung
In der ersten Rolfing-Sitzung geschieht das Kennenlernen zwischen dem Rolfingpraktiker und dem Klienten. Nach einem einführenden Gespräch erfolgt die erste Behandlung, in der die Atmung durch die Entlastungen der Schulter- und Beckengürtel sowie deren Gelenke befreit wird. Da die Atmung dazu dient, weitere Änderungen der Körperstruktur zu ermöglichen bzw. zu behalten, bleibt die Beobachtung der Atmung ein wesentlicher Teil der ganzen Serie. In der ersten Sitzung werden auch der Brustkorb, der Zwerchfellbereich und der Rücken zur Anpassung der erleichterten Funktion bearbeitet.


2. Sitzung: Die Füße und Beine

So wie ein Haus eine stabile, unterstützende Grundlage benötigt, benötigt auch der Körper ein gesundes, dabei aber ebenso auch lebendiges Fundament. Eine verbesserte Funktion der Füße und Beine ist oft als geschmeidigere, schwungartige Bewegung, die sich im Gehen bis in die Wirbelsäule überträgt, erkennbar. Wegen dieser strukturellen Beziehung werden auch Rücken- und Nackenbereiche behandelt.


3. Sitzung: Die Seitenlinien

Nachdem die Atmung und das strukturelle Fundament des Körpers etwas ausgerichtet sind, ist der Körper bereit, eine neue Orientierung des Schultergürtels über dem Becken anzunehmen. Sackt der Brustkorb zusammen oder kippt das Becken zu weit nach vorne? In dieser mit Bewegungs- und Wahrnehmungsübungen ergänzten Sitzung werden solche Fehlmuster durch Behandlung der Rippen, Schulter, Hüfte und Rücken in eine neue Linie gebracht.


4. Sitzung: Das Becken als Fundament der Wirbelsäule

Es ist kein Wunder, daß viele fernöstliche Heilkünste das Becken als "Sitzt der Lebenskraft" bezeichnen. Denn auch strukturell gesehen spielt das Becken eine entscheidende Rolle in Bezug auf die Funktion der Atmung und der Viszera. Der Beckenboden wird indirekt in die Sitzung miteinbezogen mittels Behandlung der Muskeln des inneren Beines (die Adduktoren). Auf einer ganzheitlichen Ebene können innere Themen von Identität und psychischem "Containment" berührt werden, weshalb die vierte Sitzung auch als Anfang der "Kernsitzungen," die sich mit dem Innenraum des Körpers befassen, gilt.


5. Sitzung: Die vordere Linie

Als Fortsetzung der Kernsitzungen wird in der fünften Sitzung Platz für die Organe geschafft. Dies gelingt durch Ausgleichung der vorderen Linie des Körpers, d.h. Oberschenkeln, Bauchraum, und Brust. Schwerpunkt dieser Stunde ist vorsichtige und achtsame Aktivierung des Psoasmuskels (Hüftheber), der die Lendenwirbelsäule mit der Innenseite der Oberschenkelknochen verbindet. Ein erweiterter Bauchraum unterstützt die psychische Fähigkeit mit emotionellen Störungen umzugehen.


6. Sitzung: Die hintere Linie

In der sechsten Sitzung wird die neue Anpassungsfähigkeit der vorderen Linie mit entsprechender Ausrichtung der hinteren Linie ausgeglichen. Verklebungen der Faszie (Bindegewebe) in den Gelenken der Rippen und Wirbeln werden individuell gelöst durch detaillierte Arbeit am Rücken. Zusätzlich wird das Kreuzbein und dessen Verhältnisse zum Becken balanciert, um die Übertragung der Schwerkraft vom Genick nach unten bis in die Fersen zu überbrücken.


7. Sitzung: Der Kopf

Zum Abschluß der Kernsitzungen gehört die siebte Sitzung, in der der oberer Pol des Körpers, nämlich die Schulter-, Nacken-, und Kopfbereiche, integriert wird. Einerseits existiert ein Körper ohne einen angepassten oberen Pol nicht harmonische in der Schwerkraft, anderseits ist der oberer Pol nur dann bereit, seine Rolle in der Orientierung des Organismus zu spielen, wenn die notwendige Unterstützung verfügbar ist. Diese vorbereitende Unterstützung wird durch die erste sechs Sitzungen besorgt, schließlich mit der platzerweiternden Arbeit des inneren Bauchraumes in den fünften und sechsten Sitzungen. Der Kopf und die entsprechenden Halsstrukturen gehören auch zur Viszera, zur tieferen Dimensionen des Mensches, also kann das Thema der siebten Sitzung auch um die Verbindung zwischen Bauch und Kopf handeln, im ganzheitlichen sowohl rein physikalischen Sinne. In dieser Stunde werden der Schultergurtel, der Nacken, und Kopf behandelt, einschließlich das Gesicht und die Kopfhaut.


8. und 9. Sitzung: Unterstützung und Orientierung: Erde oder Himmel?

Die achte und neunte Sitzungen gehören zusammen zur Orientierungsphase der Serie. Es verabschiedet sich hierbei die Arbeit mit tierefen Körperstukturen. Bisher wurden alle Körperbereiche voneinander differenziert, was ihnen ermöglicht, ihre ursprunglichen Aufgaben als Teile eines dynamischen Ganzes vollzuziehen. Nach diesem Prozess wird ausgewertet, wie die Orientierung im Organismus am besten geschafft werden kann. Da wir schwerkraftabhängige, landlaufende, und vor allem zwei-füßige Wesen sind, ist die Orientierung auf der Erde richtung Himmel ein omnipresänt und häufig unbewußter Bestandteil unserer Existenz, der ein unverzichtbare Rolle zum Wohlgefühl spielt. In diesen Stunden wird gefragt, ob der Kontakt zum Boden oder die Bewusstheit der Strebenslinie nach oben, weitere Unterstützung braucht. Dementsprechend wird entweder der untere oder der obere Körper behandelt.


10. Sitzung: Abschluß

Das Ende der 10-SItzung-Serie ist jetzt erreicht. Als Abschluß kommen größeren Themen nach vorne, verbal oder non-verbal, die sich nicht nur um die Beziehung zwischen Wesen und Umwelt kreisen sondern auch den ganzen Kontext betrachten: Wie passt die Serie ingesamt ins Leben hinein? Was hat der Körper durch den Integrationsprozess gelernt, was er in den üblichen Alltag benutzen kann? Wurden die Ziele der Serie erreicht? In wiefern fühlt sich der Klient vom Rolfingpraktiker unabhängig und fähig, alleine mit der Schwerkraft klarzukommen? Behandelt werden hauptsächlich Körperbereiche, die noch besser ins Ganze angepasst werden können, möglicherweise durch Übungen, die neue Denkweisen bzw. Perspektiven der tagtäglichen Bewegungen, wie gehen, sitzen, und atmen, beibringen.

Rolfing in "Stern"-Magazin

Stern-Archiv
Ausgabe: 13 23-03-2000

Handgreiflich heilen

Rolfing gibt verspannten Körpern ihre ideale Haltung zurück – dauerhaft

Der Mann muss ein Magier sein. In meiner Rechten, die Dr. Peter Schwind seit ein paar Sekunden mit beiden Händen umfasst, beginnt es zu summen und zu vibrieren. Zwischen Knöchel und Handgelenk fließt und gleitet, schmilzt und moussierte es. Das Gefühl ist mir völlig neu, und ich habe keine Ahnung, ob der Münchner die Muskeln, die Knochen oder beides zum Schwingen bringt. Ich fixiere seine Händer: Sie scheinen sich nicht zu bewegen. Wie macht er das nur?

Peter Schwind ist Rolfer. Seine Methode gibt vielen Uneingeweihten Rätsel auf. Es ist eine Jahrzehnte bekannte, aber erst neuerdings häufiger angewandte Technik. Rolfing wird häufig mit Massage in einem Topf geworfen, hat damit aber wenig zu tun.

FÜR SCHWIND ist es “eine ganz handfeste Technik, die den Körper formt. Keine Zauberei und nichts Esoterisches, sondern reines Handwerk: angewandte Physik und Anatomie”. Während Masseure mit öligen Händen Muskeln durchkneten, so die Durchblutung fördern und Verspannungen lösen, aber nur selten langfristige Effekte erzielen, renovieren Rolfer – ohne Öl – die durch einseitige Belastungen verzogenen Körper ihrer Patienten.

Sind die Rücken, Hälse, und Schultern wieder im Lot, bleiben sie in der Regel so. “Wir sind im Grunde Architekten, die nachschauen, ob die Statik des Körpers stimmt,” sagt der Hamburger Rolfer Klaus Siebert. “Wir finden die optimale Struktur und Bewegungsform für jeden Klienten.”

Der rolfende “Bildhauer am Menschen” (Schwind) konzentriert sich auf einen Bestandteil unserer Anatomie, dessen banale Sammelbezeichnung zu erkennen gibt, dass die Medizin ihn seit langem vernachlässigt: das Bindegewebe. Den manuellen Meißel setzt er vor allem an den Muskelfaszien an. Das sind derbe Hüllschitchen, die den Musekln Stabilität verleihen. Sie umgeben sie wie Kabelisolierungen, unterteilen sie in einzelnen Stränge, “verleimen” sie und lassen sie zugleich aufeinander gleiten. Zusammen mit Bändern und Membranen, die Organe und Knochen umhüllen, bestimmen die Faszien die Körperform. Schwind: “Würde man aus dem Körper alle Organe, Knochen, Muskeln, und Adern entfernen, bleibe ein Netzwerk, eine komplette innere Struktur von Faszien übrig.”

Dieses Stüztgerüst ist vom Schöpfer für das Lauftier Homo sapiens konstruiert worden, nicht aber für den “modernen” Sitzmenschen, – die Verkäuferin an der Kasse, den Taxifaherer oder den Sachbearbeiter am Bildschirm. Als Folge von Bewegungsarmut, Dauerstress und Fehlhaltung verdicken sich die Faszien, verlieren ihre Flexibilität und verkleben miteinander. Klaus Sibert: “Wie ein Zelt, das schief steht, wenn Schnüre und Planen zu stark oder zu schwach gespannt sind, gerät der Körper durch Disbalancen der Faszien aus dem Lot.”

Ein Beispiel: Ein Briefträger hängt sich seine schwere Tasche immer über die rechte Schulter. Als Folge steigt die Grundspannung der Schultermuskulatur an. Nach und nach reagieren die Faszien auf die erhöhte Belastung und verstärken ihr Fasernetz. Damit bleibt die “Verspannung” der Schulter bestehen, selbst wenn der Postler seine Tasche ablegt. Das Becken verschiebt sich beim Versuch, die ungleiche Stellung der beiden Schultern auszugleichen, und als Konsequenz verdreht sich ein Teil des Rückens. Schließlich ist der Beamte kurvenrecht wie ein Korkenzeiher. Siebert hält “70 bis 80 Prozent” der Bundesbürger für behandlungsbedürftig.

Die amerikanische Biochemie-Professorin Ida Rolf, Urmutter aller Rolfer, entdeckte vor einem halben Jahrhundert die körperformende Funktion der Faszien, der Membranen und Bänder, und sie fand heraus, dass sich die tief sitzenden Spannungsmuster des Bindegewebes durch sensibel eingestezten Druck auflösen lassen. Heute, 21 Jahre nach dem Tod von Ida Rolf, gibt es auf der ganzen Welt nur etwa 1000 ausgebildete Rolfer, 120 in Deutschland. Rolfer-Hochburg ist München mit über 20 Therapeuten. Hamburg hat nur acht.

“Jeder Mensch hat eine inidividuelle Körperstruktur und Bewegungsform”, sagt Siebert, “und mit Rolfing kann man dem Körper diese Idealform zurückgeben.” Der 36-Jährige hat durch eigene Erfahrung zum Rolfing gefunden: Sein Rücken und seine Knien waren durch eine lange Zweitkarriere als Tänzer ruiniert. Abhilfe brachte allein Rolfing.

Zu Beginn jeder Behandlung analysiert der Therapeut mit seinem “Rolferblick” Gang und Haltung der Klienten. Schwind: “Mich interessieren der Körperbau und dessen Struktur zunächst mehr als die Symptome, über die der Klient klagt. Meist stimmt mein Befund dann aber mit dem Beschwerdebild überein.” In zehn von längerern Pausen unterbrochenen Sitzungen wird das Bindegewebe des Körpers abschnittsweise von Kopf bis Fuß gelockert, der Bürobuckel eingeebnet, das Hohlkreuz und die Trichterbrust ausgefüllt.

Ziel sind aufrechte Haltung, bewegliche Gelenke, fließende Bewegungen und – durch Lockerungen der erstarrten Faszien der Atemmuskulatur – mehr Luft. Nach der Generalüberholung ist die Behandlung beendet; Dauerkuren wie bei der Massage gibt es nicht. Erst viel später kann die eine oder andere Auffrischungssitzung angezeit sein.

IST DER ORGANISMUS durch Rolfen ausgebeult und begradigt, profitiert häufig auch die Psyche. “Die Ursache körperlicher Verspannungen liegen oft im seelischen Bereich,” erklärt Peter Schwind. Der 51-Jähriger Doktor der Philosophie hat häufig erlebt, dass Verbote, Hemmungen, und Ängste dem Körper genauso übel mitspielen können wie der Seele – und dass sich die psychische Grundhaltung durch seine physiologische Therapie verbessert hat.

Auch Klaus Siebert weist darauf hin, dass bei einem hohen Prozentsatz der Klienten mit den körperlichen Traumatadie seelischen Narben verschwinden. Rolfing fürgter aber keinesfalls mit einer Psychotherapie verwechselt werden. Im Gegenteil: “Bei psychischen Erkrankungen ist Rolfing tabu.”

Das Faszien-Walken hat sich besonders bewährt bei Bandscheibenprobleme, Haltungsschäden, Spannungskopfschmwerzen und beim Schleudertrauma. Dessen Behandlung inst eine Spezialität von Schwind. Der Münchner Orthopäde Johannes-Hermann Heilmann schickt viele Patienten mit der schlimmen Spätfolge von oft wenig dramatischen Autounfällen – Schwindel und Dauerkopfweh, Nackenschmerzen, Konzentrationsstörungen und Depressionen – zu dem Meister-Rolfer. “Peter Schwind kann eine Menge, was ich nicht kann. Er hat die Fähigkeit, Spannungen in der Haut und Muskulatur, ja sogar in der Hirnhaut under der Schädeldecke zu erfühlen”, sagt der Experte für die obere Halswirbelsäule. “Ich hatte eine Patientin, die wegen eines Schleudertraumas drei Jahre lang arbeitsunfähig war. Nach drei Sitzungen bei Schwind war sie geheilt.”

Die moderne Medizin stehe einem Schleudertrauma weitgehend hilflos gegenüber. Man könne die Faszien auf Röntgenbildern und Kernspinaufnahmen nicht erkennen. “Die einzige Hoffnung ist, manuell an den Strukturen zu arbeiten.” Schwind hat nach eigenen Angaben bei Schleudertrauma eine Erfolgsquote von 85 Prozent.

Vor ein paar Jahren wurde der amerikanische Pianist Leon Fleisher durch Rolfing vom Einhand-Solisten wieder zum vollwertigen Klaviervirtuosen. Die rechte Hand des Stars war 1964 unbrauchbar geworden. Sie verweigerte einfach den Dienst. Fleisher versucht alle Therapien, ließ sich operieren. Nichts half. 30 Jahre lang spielte er nur Stücke für die linke Hand. 1995 behandelte die Rolferin Tessy Brungardt seine kranke Hand, und Fleisher, mittlerweile 67, trat in der New Yorker Carnegie Hall mit einem Klavierkonzert von Mozart auf. Fleisher war der erste Künstler, den Tessy Brungardts Hände geheilt haben. Eigentlich ist sie auf Rennpferde spezialisiert.

Infos: www.rolfing.org



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Quelle: STE Ausgabe: 13 23-03-2000 Seite 141 Autor/in: “Gerd Schuster”